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Kooperationen aufbauen: Von Kontakten zur Zusammenarbeit

30. Sept.
5 Min. Lesezeit

Kooperationen aufbauen: Wie aus Kontakten eine gemeinsame Sache wird


Nach einem Netzwerktreffen kann man zehn neue Kontakte haben und trotzdem niemanden, mit dem man wirklich zusammenarbeiten möchte. Das ist an sich kein Widerspruch, denn Kennenlernen ist für die meisten Menschen leicht. Herauszufinden, ob zwei Menschen für eine konkrete Sache zusammenpassen, verlangt mehr.


In meinem Vortrag am 24.09.2026 in Ludwigsburg beim offenen Netzwerktreffen von Bossin Stuttgart und dem MTV BusinessClub „Die Kunst, Menschen zu gewinnen“ habe ich darüber gesprochen, was Beziehungen im Business tragfähig macht.

Ein Gedanke daraus ist für Kooperationen besonders wichtig:

Menschen gewinnen wir, wenn aus unserem Anliegen eine gemeinsame Sache wird.

Das passiert nicht automatisch, weil zwei Personen sich sympathisch finden oder dieselben Schlagworte auf ihrer Website verwenden.


Wie entstehen tragfähige Kooperationen zwischen Selbstständigen? Beide Seiten müssen wissen, was sie selbst erreichen wollen, das Anliegen der anderen Person verstehen und einen gemeinsamen Beitrag für eine klar benannte Zielgruppe finden. Erst danach lässt sich entscheiden, ob eine Empfehlung genügt, ein gemeinsames Projekt sinnvoll ist oder der Kontakt einfach ein guter Kontakt bleibt.



Kontakt, Empfehlung und Kooperation sind drei verschiedene Dinge


Ein Kontakt bedeutet zunächst nur, dass Menschen einander kennen. Sie können sich austauschen, voneinander lernen und später vielleicht aneinander denken. Daraus muss nicht sofort ein Auftrag entstehen.


Bei einer Empfehlung bringt eine Person jemanden für eine konkrete Anfrage ins Gespräch. Sie sollte einschätzen können, ob Thema, Zielgruppe und Arbeitsweise passen. Die empfohlene Person übernimmt den Auftrag anschließend selbst. Eine Empfehlung ist wertvoll, aber noch keine gemeinsame Leistung.


Eine Kooperation geht weiter: Zwei oder mehr Menschen wollen gemeinsam etwas anbieten, entwickeln oder durchführen. Dafür braucht es eine Vorstellung davon, welches Problem sie zusammen besser lösen, wer welchen Teil verantwortet und was beide Seiten aus der Zusammenarbeit erwarten.


Wer diese Formen verwechselt, erzeugt schnell falsche Erwartungen. Eine Person sucht vielleicht gegenseitige Empfehlungen, die andere denkt bereits an ein gemeinsames Programm. Solange niemand das ausspricht, klingt „Wir sollten unbedingt etwas zusammen machen“ verbindlicher, als es ist.



Zuerst wissen, was du selbst suchst


Wer jedes Gespräch mit dem Ziel führt, „mal zu schauen, was sich ergibt“, bleibt offen. Das kann schön sein, aber wenn du eine konkrete Kooperation suchst, lohnt sich vorher etwas mehr Klarheit: Welche Arbeit möchtest du selbst machen? Wo stößt deine Expertise an eine sinnvolle Grenze? Welche Projekte passen derzeit zu deinen Kapazitäten und welche nicht?


Die Fragen klingen banal, werden aber häufig erst gestellt, wenn bereits eine gemeinsame Idee im Raum steht. Dann wird sichtbar, dass die eine Person einen schnellen Auftrag sucht, während die andere über ein langfristiges Format nachdenkt. Oder dass beide gern strategisch arbeiten, aber niemand die Durchführung übernehmen möchte.


Du musst dich nicht auf ein einziges Modell festlegen. Ein ehrlicher Satz über deine aktuelle Situation hilft jedoch: „Ich suche eine Partnerin, deren Fachgebiet mein Angebot für Führungsteams ergänzt“ ist genauer als „Ich bin offen für Kooperationen“.


Klarheit über die eigene Seite ist auch eine Form von Fairness. Dein Gegenüber muss nicht erraten, welche Erwartungen du mit dem Gespräch verbindest.



Die andere Person nicht durch die eigene Brille lesen


Manuela Vollmer, Keynote Speaker mit blauer Brille - Vortrag "Die Kunst, Menschen zu gewinnen"

Im Vortrag verwende ich gerne das Bild der eigenen „blauen Brille“:

Wir deuten Verhalten und Aussagen durch unsere Erfahrungen, Werte und Erwartungen.

Das gilt auch beim Netzwerken. Wenn ich begeistert von einer gemeinsamen Idee bin, kann ich die höfliche Offenheit meines Gegenübers leicht für dieselbe Begeisterung halten.


Doch was meint die andere Person mit „Zusammenarbeit“?

Sucht sie neue Kunden, einen fachlichen Austausch, Zugang zu einer anderen Zielgruppe oder jemanden, der einen Teil ihrer Leistung ergänzt? Vielleicht möchte sie derzeit gar kein neues Projekt beginnen.

Solange ich nicht frage, habe ich nur meine Deutung.


Ein Gespräch über eine mögliche Kooperation braucht deshalb mehr als die Frage, ob man sich mag. Hilfreich sind beispielsweise:


  • „Welche Art von Anfrage würdest du selbst übernehmen, und wann würdest du eine andere Expertin hinzuziehen?“

  • „Was würdest du gern gemeinsam anbieten, das allein nicht sinnvoll wäre?“

  • „Welche Aufgaben übernimmst du gern, und welche ausdrücklich nicht?“

  • „Woran würden wir nach einem ersten Projekt erkennen, dass die Zusammenarbeit für beide passt?“


Die Antworten müssen nicht immer übereinstimmen. Sie machen Unterschiede sichtbar, bevor daraus ein Missverständnis im laufenden Projekt wird.



Eine gemeinsame Sache braucht einen konkreten Nutzen


„Wir haben dieselbe Zielgruppe“ ist ein möglicher Ausgangspunkt. Es ist noch kein gemeinsames Angebot. Zwei Expertinnen können denselben Kundenkreis ansprechen und trotzdem sehr unterschiedliche Probleme lösen. Umgekehrt können unterschiedliche Fachgebiete gerade deshalb gut zusammenpassen, weil sie verschiedene Teile einer Aufgabe abdecken.


Ein hypothetisches Beispiel:

Eine Expertin begleitet Führungskräfte bei Veränderungsprozessen. Eine andere arbeitet mit Teams an Konflikten, die während solcher Prozesse sichtbar werden. Beide mögen sich und kennen Unternehmen als Zielgruppe.

Für eine Kooperation müssten sie genauer klären:

Bei welcher Art Auftrag braucht es beide? Was bekommt das Unternehmen durch die Zusammenarbeit, was eine allein nicht leisten würde? Wer ist Ansprechpartnerin, und wo beginnt die Verantwortung der anderen?


Erst die Antworten machen aus „Das könnte passen“ ein prüfbares Vorhaben. Vielleicht entsteht daraus ein gemeinsamer Workshop. Vielleicht ist eine gegenseitige Empfehlung die bessere Lösung. Beides kann wertvoll sein; es muss nur für die Beteiligten klar sein.


Ich würde dabei auch die Kundenseite ernst nehmen. Eine Kooperation ist nicht schon deshalb gut, weil sie für zwei Anbieterinnen reizvoll klingt. Sie sollte einem konkreten Anliegen der Menschen dienen, für die sie gedacht ist.



So lässt sich eine Zusammenarbeit prüfen, ohne sie zu überladen


Wenn eine gemeinsame Idee erkennbar ist, muss daraus nicht sofort ein großes Programm werden. Ein kleiner, klarer erster Schritt zeigt oft mehr als lange Gespräche über Möglichkeiten.


  1. Benennt den Anlass. Für welche konkrete Frage oder Zielgruppe wollt ihr gemeinsam arbeiten?

  2. Beschreibt den Beitrag jeder Person. Was übernimmt wer fachlich und organisatorisch?

  3. Klärt die Erwartungen. Geht es um eine einmalige Empfehlung, ein gemeinsames Angebot oder eine längerfristige Zusammenarbeit? Wie werden Entscheidungen und wirtschaftliche Fragen besprochen?

  4. Vereinbart einen überschaubaren Test. Das kann ein gemeinsamer Fachimpuls, eine Angebotsidee oder ein erstes Projekt sein, sofern ein passender Anlass besteht.

  5. Wertet ehrlich aus. Was hat für die Zielgruppe funktioniert? Wo haben Verantwortung, Tempo oder Kommunikation nicht gepasst? Wollt ihr auf dieser Basis weitermachen?


Diese Fragen wirken vielleicht nüchtern. Doch gerade dadurch schützen sie eine gute Beziehung. Unklare Rollen und unausgesprochene Erwartungen belasten sie stärker als ein offenes Gespräch zu Beginn.



Wann ist ein Nein die bessere Entscheidung?


Nicht jede fachlich interessante Person ist der richtige Kooperationspartner. Wenn eure Ziele nicht zusammenpassen, eine Seite dauerhaft mehr investiert als die andere oder die gemeinsame Leistung für Kunden keinen erkennbaren Vorteil bietet, ist ein freundliches Nein sinnvoll. Ihr könnt euch trotzdem schätzen und bei einer anderen Gelegenheit wieder ins Gespräch kommen.


Auch eine Empfehlung kann die bessere Form der Verbindung sein.

Du musst nicht Teil jedes Projekts werden, um jemandem eine Tür zu öffnen. Manchmal besteht der wertvollste Beitrag darin, die passende Person vorzustellen und ihr die Arbeit zu überlassen.


Die Fragen aus meinem Vortrag helfen mir dabei bis heute:

  • Wo kann ich für jemanden einen Unterschied machen?

  • Was suche ich selbst?

  • Und wo brauche ich Unterstützung?


Wer darauf ehrliche Antworten hat, geht anders in Gespräche. Aus der Zahl der Kontakte wird dann nicht automatisch ein Maß für Erfolg. Entscheidend wird, ob Menschen einander verstehen und gemeinsam etwas Sinnvolles möglich machen können.



Im Expertinnenpool DACH bieten wir regelmäßig offenes Netzwerken an.

Die nächsten Termine stehen auf unserer Veranstaltungsseite







 
 

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